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Neurodivergente Menschen verstehen

(c) Ideogram.ai
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Neurodivergente Menschen nehmen anders und mehr wahr als neurotypische Menschen. Das führt im Alltag oft zu Missverständnissen, die beiden Seiten schnell Frust und Vorurteile aufgrund von Unwissenheit bereiten können. Dabei könnte sich beide Seiten sehr gut ergänzen, wenn sie aufgrund einer soliden Wissensbasis achtsamer miteinander umgehen würden. Dieser Artikel soll gegenseitiges Verständnis und Synergien fördern und Vorurteile abbauen.

Neurodivergenz positiv nutzen

Neurodivergente Menschen haben neurotypischen Menschen viele Dinge voraus, die sie in bestimmten Situationen und Berufen unschlagbar machen können:

  • Sie nehmen ihre Umwelt stärker und intensiver wahr.
  • Sie erkennen viel schneller und besser Details und Muster in ihrer Umwelt.
  • Sie sind kreativer.
  • Sie präsentieren gerne unorthodoxe Lösungen oder machen Dinge auf ihre ganz individuelle Weise.

Das sind 3 ganz große Bereiche, wo neurotypische Menschen nicht mithalten können und mit einer Zusammenarbeit mit einem neurodivergenten Menschen gerade im Berufsleben eine ungemeine Bereicherung und Qualitätssteigerung in ihrer Teamarbeit erfahren könnten.

 

Natürlich existiert überall, wo Licht ist, auch Schatten. Und das ist, wo neurodivergente  Menschen in einer neurotypischen und extrovertierten Welt schnell anecken und auf Unverständnis aufgrund Unwissenheit stoßen:

  • Sie sind entweder zu ruhig oder zu laut und rastlos.
  • Sie sind schnell reizüberflutet wobei sie die Kontrolle über sich verlieren können oder schnell ermüden. Das kommt bei unwissenden, neurotypischen Menschen als kindisches oder hysterisches Verhalten an oder wird mit fehlender Belastbarkeit interpretiert, was besonders in der Arbeitswelt sehr schlecht ankommt.
  • Sie machen Dinge anders als andere Menschen, weil sie es auf ihre Weise besser machen können. Gerade das aber triggert andere Menschen, die sich aus Angst streng konform verhalten und sich deshalb nicht trauen, Dinge anders und dann wahrscheinlich besser zu machen.

Die Konsequenzen für diese neurodivergenten Menschen durch die Mehrheit der Gesellschaft sind oft Spott, Ausgrenzung und Mobbing. Und das im angeblich besten, tolerantesten, diversesten und buntesten Deutschland, das wir je hatten.

 

Natürlich können neurodivergente Menschen ebenfalls von einer Zusammenarbeit ḿit neurotypischen Menschen profitieren. Besonders wenn es um rationale Beobachtungsweisen, praktisches Handeln  und pragmatische Entscheidungen geht.

 

Das Grundproblem bei beiden Gruppen ist, dass jeder Mensch von sich auch glaubt, dass sein Zustand normal ist und es doch so bei jeden anderen Menschen sein müsste. Kurz: Man schließt von sich auf andere. Und hier liegt der Denkfehler!

(c) Ideogram.ai
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Viele Eltern, Lebenspartner und Vorgesetzte reagieren auf Beschwerden damit, dass sie ihre Kinder, Lebenspartner und Mitarbeitende dann erst recht in einer unangenehmen Situation belassen oder diese unangenehme Situation noch weiter verstärken. Diese empathielose Ignoranz vergrößert das bestehende Problem dann noch mehr und führt schlimmstenfalls zu einem Teufelskreislauf, in dem der sozial schwächere Mensch massiv geschädigt und letztendlich  traumatisiert wird.

Neurodivergente Menschen im Alltag begleiten

Viele Menschen haben keine Ahnung, was und wie neurodivergente Menschen sind und warum sie anders reagieren als neurotypische Menschen. Es existieren verschiedene Klischees, die in der Regel durch Medien sehr oberflächlich oder falsch transportiert werden, so wie 

  • der oder die spinnt, ist hysterisch, blöd oder simuliert
  • der Zappelphillip mit ADHS
  • der Rainman, der ausdruckslos ins Leere starrt, weil er autistisch ist
  • Vladimir Putin, der Psychopath, der russische Hitler, dem das Asperger Syndrom diagnostiziert wurde
  • oder hochsensible Menschen und Autisten, die als nicht belastbar abgestempelt werden.

Die Wahrheit geht aber viel tiefer und ist viel komplexer als solche populistischen Halbwahrheiten.

 

Viele neurodivergente Menschen wissen gar nicht, dass sie neurodivergent sind. Von den Menschen, die es wissen, können diese Menschen

  • nicht mit ihren besonderen Fähigkeiten richtig umgehen
  • wehren sich gegen ihr Anderssein bzw. wollen ihre Andersartigkeit nicht akzeptieren
  • verstecken bewusst ihre Andersartigkeit / maskieren sich, weil sie Angst vor Spott und Nachteilen haben, wenn es herauskäme
  • leiden diese Menschen tatsächlich stark an ihrer stark ausgeprägten Neurodivergenz, so dass sie psychiatrische und medikamentöse Hilfe brauchen, um ihren Alltag bewältigen zu können 
  • stehen zu ihrer Neurodivergenz, sehen sie als Stärke an und haben das Ziel oder bewegen sich schon in einem Umfeld, wo ihre Eigenart geschätzt und gebraucht wird

Neurodivergenz wird Dir - wie jede Form der der Andersartigkeit von der Norm - im Zweifelsfall als Schwäche und nicht als Stärke ausgelegt. Wenn Du nichts von Deiner Neurodivergenz weißt, diese Gabe nicht zu nutzen weißt oder diese Gabe so stark ausgeprägt ist, dass sie Dich praktisch handlungsunfähig macht und Dich übermäßig belastet, dann ist es wie ein Fluch. Hier ist dann auch psychologische und psychiatrische Hilfe nötig. Bist Du Dir Deiner Neurodivergenz allerdings bewusst, kennst deren Vorteile, Du hast Deine Lebenssituation gut daran angepasst und Deinen Alltag im Griff, kann es eine wahre Bereicherung für Dich sein. 

(c) Ideogram.ai
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Neurodivergente Menschen im Berufsleben unterstützen

Ich habe den Eindruck, dass viele Vorgesetzte keine wirkliche Ahnung von neurodivergenten Menschen und den angemessenen Umgang mit ihnen haben. Das wundert mich auch gar nicht so sehr, wenn man sieht, wie Menschen in Führungspositionen kommen. Aber auch in Managementschulen und Führungskursen scheint das Thema noch unterrepräsentiert zu sein oder (absichtlich) falsch behandelt zu werden, wenn ich mir den Umgang von vielen Führungskräften mit ihren Mitarbeitenden manchmal so anschaue. Die Situation ist zugegebenermaßen aber auch mit Fachwissen noch schwierig, weil

  • persönlichkeitsbedingte Auffälligkeiten nicht gerne dem Arbeitgebenden genannt werden, um nicht als unkompliziert wahrgenommen zu werden
  • selbst wenn Vorgesetzte aufgrund ihrer Fachkenntnis merken, das zum Beispiel jemand z. B. autistisch ist, wird der betroffene Mensch das höchstwahrscheinlich nicht zugeben, weil dieser es nicht weiß oder Angst vor Nachteilen hat

Hier bedarf es viel Einfühlungsvermögen und Understatement seitens des vorsǵesetzten Menschen, um hier gute Führungsarbeit zu leisten. Ich empfehle hier, weniger zu sprechen und achtsamer zu handeln. Es wird sich zeigen, ob bestimmte Angebote dem Mitarbeitenden gut tut oder nicht. Beispielsweise eine offensichtlich / wahrscheinlich hochsensible Person aus dem Großraumbüro in ein kleines, ruhiges Einzelbüro mit Tageslicht umzusetzen oder dessen Tätigkeitsbereich zu modifizieren oder zu klar sagen, was wann wie lange heute für Arbeiten anliegen.


Mein Weckruf an alle angehenden und aktiven Führungskräfte:

 

Fachkräfte und Führungskräfte sind zwei komplett verschiedene Rollen:

 

Die beste Fachkraft ist eben fachlich am besten und kann das im optimalen Fall auch noch  menschlich gut rüberbringen.

 

In der Praxis wird leider oft die beste oder dienstälteste Fachkraft zur Führungskraft gemacht. Das ist oft ein Fehler.

 

Eine Führungskraft muss nicht die beste Fachkraft sein. Sie muss Ahnung vom Fach haben; ja. Die Anforderung an eine Führungskraft liegt in der Führung, Motivation und Unterstützung der Menschen, die sie führt. Eine Führungskraft ist auch der verlängerte Arm der Geschäftsleitung und trifft in erster Linie Entscheidungen und plant im Sinne der Firma.

 

Werde Dir darüber sehr klar, welche Rolle Du im Berufsleben spielen willst!


Achtsamkeit aufbauen und einen Dialog entwickeln

Wie immer gibt es hier zwei Seiten:

  • Betroffene Menschen müssen sich ihrer Neurodivergenz bewusst sein, ihre Fähigkeiten und Grenzen erkennen und diese klar kommunizieren lernen.
  • Nichtneurodivergente Menschen müssen verstehen lernen, dass es Menschen gibt, die komplett anders funktionieren und reagieren als sie, aber trotzdem in Ordnung und gleichwertig sind. Insbesondere Vorgesetzte haben nach meiner Meinung eine Holschuld an Wissen, sich über ihre unterstellten Menschen kundig zu machen und mögliche Zeichen, ob jemand wahrscheinlich ADHS, Autismus hat oder hochsensibel ist oder sogar der Verdacht auf eine psychische Erkrankung wie eine PTBS oder Angststörung vorliegt, um diese Menschen angemessen führen zu können, für die sie verantwortlich sind. 

Das erfordert viel Neugier, Initiative und oft auch Mut. Und um den menschlichen Umgang miteinander ist das wichtig, um die eigene soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz zu fördern, die heutzutage privat und beruflich so wichtig geworden ist. Fang am besten heute noch an, Dich kundig zu machen oder starte - noch besser - den Dialog mit betroffenen Menschen.

Mein Tipp für Dich

(c) Oliver Triebel - INFJ Coaching
(c) Oliver Triebel - INFJ Coaching

Wie im Text schon erwähnt, kannst Du Dir per Selbststudium schon ein gutes Fundament an Wissen aneignen. 

 

Solltest Du möglicherweise selbst betroffen sein, kann Dir Dein Hausarzt oder ein Psychologe kompetente Hilfe leisten, Dich untersuchen, testen und Dir eine Diagnose stellen, die eine solide Grundlage für eine eventuelle Behandlung sein würde.

 

Der Kontakt zu neurodivergenten Menschen kannst Du offline und online suchen, die Dir ihre Geschichte erzählen oder Dir Praxistipps geben, was diese Menschen im Alltag brauchen und was nicht. 

 

Einer dieser neurodivergenten Menschen bin ich. Solltest Du einen fundierten Erfahrungsaustausch suchen, stünde ich auf Wunsch Dir gerne für einen strukturierten Erfahrungsaustausch oder der Beratung zu einer Problemsituation mit Deinen Mitmenschen zur Verfügung. 

 

Ich freue mich auf Deine Terminanfrage zu einem kostenlosen Orientierungsgespräch. Telefonisch, via Webcam auf WhatsApp oder bei einem ruhigen Spaziergang in einem Düsseldorfer Park oder am Rheinufer klären wir gemeinsam Deine Ziele und Deinen Coachingauftrag ab, bevor wir Deine Ziele in die Realität umsetzen.

 

Dein Experte für mehr Lebensqualität

 

Oliver

 

 

P. S.: Wie interessant fandest Du meinen Blogartikel? Wenn Du in Zukunft über Neuigkeiten, Angebote und zusätzlichen Infos auf dem Laufenden bleiben möchtest, dann scrolle und trage Dich auf der rechten Seite meiner Website für meinen INFJ-Club kostenlos ein! Alternativ biete ich Dir meinen WhatsApp-Kanal an.

 

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